22.7.2011: Kundgebung in Lüchow

Protest gegen Massentierhaltung

Wendländische Initiativen gegen die umstrittene Masthaltung laden für
Freitag (22.7.) um 17 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Lüchower
Marktplatz ein. Dabei können sich Interessierte auch gründlich an einem
Infotisch über die Thematik, die durch eine Bauplatzbesetzung in Schnega
und die Selbstjustiz der Landwirte bei einer weiteren Besetzung in
Teplingen an Brisanz gewonnen hat, informieren. Zusätzlich soll über
eine Telefonschaltung Kontakt zum „Friedensritt“ hergestellt werden, der
am selben Tag unter dem Motto „Kommt erst das Fressen und dann die
Moral“ in Wietze startet. Dort ist Europas größter Schlachthof in Bau,
der aus 6 Millionen Euro Steuergeldern mitfinanziert, jeden Tag 500.000
Hähnchen schlachten und u.a. aus Schnega und Teplingen beliefert werden
soll.

Dabei sollen bei der von den TierschützerInnen angeprangerten
Qualhaltung pro Mastdurchgang 39.900 Hähnchen in einer nur 1.800 qm
Halle eingesperrt werden, also bis zu 26 Tieren pro qm. Im Jahr sind 7,5
Mastdurchläufe geplant. Dies bedeutet, dass fast 300.000 Tiere pro Jahr
in der Halle gemästet werden sollen. Ein Mastdurchlauf dauert ca. 32 bis
38 Tage. In dieser Zeit legen die Küken, die durch den Bewegungsmangel
schneller Fett ansetzen, bis zu 2,5 kg an Gewicht zu. Es wird damit
gerechnet, dass bis zu 4 % der Tiere ihr Schlachtgewicht nicht erreichen
und vorher verenden. Dies entspricht bis zu 1.596 Tieren pro
Mastdurchgang oder fast 12.000 vorzeitig verendeten Tieren pro Jahr.

Laut Berechnung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist bei stabiler
Marktlage in einer 40.000er Anlage zur Hühnermast mit einem Gewinn
zwischen 5 und 7 Eurocent pro geschlachtetem Tier zu rechnen. Neueste
Zahlen gehen von gerade einmal 3 Eurocent aus. Selbst diese niedrigen
Margen werden in der Realität aber oft nicht erreicht: Ein Drittel der
Betriebe mit Hühnermast schreiben in diesem Betriebszweig rote Zahlen.
WirtschaftswissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass das gegenwärtige
und zukünftige Wachstum in der Hühnerfleischproduktion den Bedarf des
deutschen Marktes bei Weitem überschreiten werde, so dass in ca. fünf
Jahren 240.000 Tonnen Geflügelfleisch exportiert werden müssten. Solche
Marktentwicklungen gehen mit einem Preisverfall einher, der den Mäster
am schärfsten trifft. Die Landwirte geben ihre traditionelle
Selbständigkeit auf und begeben sich als Agrarindustrielle in eine
Abhängigkeit als purer Lieferant von Konzernen wie Rothkötter oder
Wiesenhof. Damit machen sie sich vertraglich zum Spielball der
Konzerninteressen und der dadurch immer ruinöser werdenden Marktlage.

Die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner haben Belastungen wie eine
erhöhte Keimbelastung, Geruchsbelastung und eine Wertminderung der
Grundstücke zu tragen. Landschaft und Natur werden beeinträchtigt. Zu
erwartende mögliche Beeinträchtigungen sind insbesondere: häufiger
Verstoß gegen die artgerechte Tierhaltung und den Tierschutz, direkte
Betroffenheit derjenigen, die bereits unter Allergien, Hautkrankheiten
oder Asthma leiden, deutliche Zunahme der Feinstaubbelastungen durch die
Anlagen, erhöhte Geruchsbelästigung, Belastungen durch Lagerung und
Ausbringung von Geflügelkot und --mist, Belastung des Grundwassers durch
Gülleausbringung, zunehmende Ungezieferbelastung, Lärmemissionen durch
Betrieb und Transporte, Verminderung der Wohnqualität und Wertverlust
der Immobilien, Eingriffe in Natur und Landschaft in unverbauten Gebieten.


1 Antwort auf „22.7.2011: Kundgebung in Lüchow“


  1. 1 duffy duck 18. Juli 2011 um 15:23 Uhr

    nach dem neuerlichen brand traut ihr euch noch in die öffentlichkeit – mutig.

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